07.04.2026 – Lesezeit ca. 3 Minuten 83
Seit März 2025 bauen der Ennepe-Ruhr-Kreis sowie die Städte Gevelsberg, Hattingen, Sprockhövel, Wetter und Witten ihr Prozessmanagement gemeinsam auf – begleitet von der Münsteraner PICTURE GmbH. Das Projekt „PzM@ERK“ zeigt, wie Verwaltungen interkommunal tragfähige Strukturen schaffen und zugleich konkrete Verbesserungen für ihre eigene Praxis erzielen. Ein Jahr nach dem Start stehen bereits greifbare Ergebnisse: ein umfassendes Prozessregister, abgestimmte Standards und ein belastbares Netzwerk.
Ein zentraler Meilenstein ist der arbeitsteilige Aufbau von zwei Prozessregistern: eines für die fünf Städte und eines für den Ennepe-Ruhr-Kreis. Mit jeweils rund 1.400 bis 1.500 Prozesssteckbriefen schaffen die Register eine belastbare Grundlage, um Prozesse systematisch zu priorisieren, zu vertiefen und für Optimierungs- sowie Digitalisierungsprojekte vorzubereiten. Gemeinsam definierte Modellierungsstandards sorgen dabei für eine einheitliche Sprache und erleichtern die verwaltungsübergreifende Zusammenarbeit.
Wie wirksam diese Zusammenarbeit bereits ist, zeigte die erste gemeinsame Prozesswerkstatt, die im November 2025 in Schwelm stattfand. Eingeladen waren neben den Projektmitgliedern auch Fachexpertinnen und -experten aus dem Personalbereich, die in ihren Verwaltungen für den Onboarding-Prozess verantwortlich sind. Das Thema wurde gemeinsam ausgewählt, da ein gutes Onboarding neue Mitarbeitende schneller einarbeitet, ihre Bindung stärkt und damit die Arbeitsqualität langfristig sichert.
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Zur Vorbereitung wurden mit Unterstützung der PICTURE GmbH sechs vollständige Prozesse zum Thema „Onboarding neuer Mitarbeitender durchführen“ modelliert und qualitätsgesichert. In der Werkstatt stellten die Beteiligten ihre Prozesse zunächst in Kleingruppen vor und diskutierten anschließend im Plenum Gemeinsamkeiten, Unterschiede, Risiken und besonders wichtige Prozessschritte. Der Austausch auf Augenhöhe machte verschiedene Vorgehensweisen sichtbar und lieferte den Verwaltungen konkrete Impulse für die Weiterentwicklung ihrer eigenen Abläufe. Diskutiert wurden unter anderem bewährte Ansätze wie Onboarding-Buddys, Willkommensmappen und regelmäßige Feedbackgespräche.
„Das Tempo im ersten Projektjahr ist bemerkenswert. Die Register stehen, Standards sind gesetzt, und vor allem arbeiten die Beteiligten schon aktiv miteinander an konkreten Prozessen“, so Sabrina Giangreco, Senior-Beraterin der PICTURE GmbH und Projektleitung von PzM@ERK. „Gerade die Prozesswerkstatt zeigt, warum interkommunale Zusammenarbeit so wertvoll ist: Verwaltungen lernen voneinander, nehmen praxistaugliche Lösungen mit und entwickeln ihre Abläufe schneller weiter.“
Zusätzlich haben die Teilnehmenden jeweils eine Prozesslandkarte aufgebaut. Sie schafft Transparenz über die Prozesslandschaft der Verwaltungen und erleichtert die Orientierung. Ein weiterer Erfolgsfaktor ist der Rückhalt aus der Führungsebene: In Informationsveranstaltungen wurde Prozessmanagement als Antwort auf zentrale Herausforderungen wie Wissensverlust, Effizienzdruck und Digitalisierung eingeordnet.
2026 geht PzM@ERK in die nächste Phase. Geplant sind weitere Werkstätten, Methodenworkshops und eine individuelle Standortbestimmung für jede Verwaltung. So wird die interkommunale Zusammenarbeit weiter vertieft – mit dem Ziel, Erfahrungen systematisch zu teilen, Prozesse schneller weiterzuentwickeln und die Handlungsfähigkeit im Prozessmanagement in allen Partnerverwaltungen zu verbessern.