Rubrik Wasser / Abwasser

Meilenstein der Wasserwirtschaft im Bergischen Land

130 Jahre Wupper-Talsperren-Genossenschaft

28.04.2026 – Lesezeit ca. 4 Minuten 122

130 Jahre Wupper-Talsperren-Genossenschaft

Bild: Wupperverband

Der 29. April steht für ein besonderes Ereignis, das das Wuppergebiet nachhaltig geprägt hat: Vor 130 Jahren wurde die „Genossenschaft zur Errichtung von Talsperren“ offiziell gegründet. Sie gilt als Vorgängerorganisation des heutigen Wupperverbandes und markiert im Bergischen Land den Beginn einer ganzheitlichen Wasserwirtschaft über kommunale Grenzen hinweg.

Bereits im Jahr 1881 wurde die Eschbach-Talsperre in Remscheid als erste Trinkwassertalsperre in Deutschland errichtet. Darüber hinaus sollten im Bergischen Land nun weitere Talsperren gebaut werden. Der Düsseldorfer Regierungspräsident forderte deshalb die Gründung einer Genossenschaft, die den Bau und Betrieb von Talsperren übernehmen sollte. Nachdem die Bildung der Genossenschaft bereits 1895 mit großer Mehrheit in einer Versammlung der Interessenten beschlossen wurde, wurde diese am 29.04.1896 schließlich offiziell genehmigt und gegründet.

Zu den Mitgliedern zählten damals Kreise und Gemeinden sowie industrielle Unternehmen, z. B. Triebwerksbesitzer, entlang der Wupper. Die Genossenschaft hatte ihren Sitz in Hückeswagen.

Wasservorrat für florierende Unternehmen

Die Talsperren dienten zu dieser Zeit dann schwerpunktmäßig zur Bereitstellung von Brauchwasser, um die Wasserkräfte der Wupper besser zu nutzen. Sie speicherten Regenwasser für Trockenzeiten. Denn die Wupper hatte von jeher einen sehr schwankenden Wasserstand. Für die florierenden Unternehmen sollte aber möglichst durchgängig ausreichend Wasser in der Wupper zur Verfügung stehen, zum Beispiel, um Turbinen anzutreiben.

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Die erste fertigstellte Talsperre der Genossenschaft war die „alte“ Bever-Talsperre, die 1898 in Betrieb ging. Bereits ein Jahr später folgte die Einweihung und Füllung der Lingese-Talsperre in Marienheide. Die letzte von der Genossenschaft errichtete Talsperre war die Brucher-Talsperre in Marienheide, die 1913 fertiggestellt wurde. Zusätzlich wurden seit Gründung der Genossenschaft mehrere Ausgleichsweiher, unter anderem in Radevormwald-Dahlhausen, angelegt.

Zu Beginn des ersten Weltkriegs verfügte die Genossenschaft über drei Talsperren mit insgesamt 9,2 Millionen Kubikmeter Stauinhalt sowie vier Ausgleichsweiher entlang der Wupper.

1930: Gründung des Wupperverbands

Mit den Jahren gewannen auch die Themen Abwasserbehandlung und eine Reinhaltung der Wupper zunehmend an Bedeutung. Denn die Wupper war inzwischen durch Industrialisierung und Bevölkerungswachstum zur Kloake geworden. Ein schweres Hochwasser im Jahr 1925 rückte zudem den Hochwasserschutz in den Fokus. Das Trockenjahr 1929 war ein weiterer Impuls dafür, dass sich eine neue Genossenschaft diesen Themen gebündelt annehmen sollte. Dies war der Auslöser für die Gründung des Wupperverbandes. Er wurde 1930 durch ein preußisches Sondergesetz gegründet. Seine Mitglieder sind Kreise und Kommunen, Unternehmen der Wasserversorgung und Industrie und Gewerbe im Wuppergebiet.

Wupperverband baute weitere Talsperren

Im Jahr 1932 wurde die Wupper-Talsperren-Genossenschaft endgültig aufgelöst und alle Rechte und Pflichten sowie die damals vorhandenen Talsperren im Verbandsgebiet an den Wupperverband übertragen.

Seitdem baute der Verband weitere Talsperren wie die die Schevelinger Talsperre und erweiterte die Bever-Talsperre. In den 1980er Jahren setzte der Wupperverband nach jahrzehntelanger Planung den Bau seiner beiden größten Talsperren um: 1987 ging die Wupper-Talsperre als größte Brauchwassertalsperre im Wuppergebiet in Betrieb. 1988 war die Trinkwassertalsperre Große Dhünn, die auch heute noch zweitgrößte reine Trinkwassertalsperre Deutschlands, mit allen zugehörigen Anlagen wie Pumpwerken und Leitungen fertiggestellt.
Andere Talsperren, wie die Ronsdorfer Talsperre und die Panzer-Talsperre, gehörten ursprünglich den Kommunen und dienten dort zur Trinkwasserversorgung. Sie wurden später vom Wupperverband übernommen und werden seitdem als Brauchwassertalsperren genutzt.

Der Wupperverband kümmert sich seit 96 Jahren im gesamten 813 km² großen Wuppergebiet um Wasserwirtschaft von der Quelle bis zur Mündung.

Heute betreibt er insgesamt 14 Talsperren: drei Trinkwassertalsperren, neun Brauchwassertalsperren und Stauanlagen sowie zwei Talsperren für die EWR in Remscheid.

Aus seinen Trinkwassertalsperren stellt der Verband Rohwasser bereit. Das in den Wasserwerken aufbereitete Trinkwasser ist ein wichtiger Baustein in der Versorgung der Menschen in der Region. Mit dem Wasservorrat der Brauchwassertalsperren gleicht er die Wasserführung im Gewässer unterhalb der Talsperren aus. So wird das Ökosystem von Wupper und Dhünn auch in Dürrephasen unterstützt. Außerdem speichern die Talsperren Wasser bei starkem Regen und mildern so Hochwasserabflüsse.

Die Talsperren spielen also seit mehr als 100 Jahren eine wichtige Rolle im Wuppergebiet.

Weitere wichtige Aufgaben im Wassermanagement sind: In 11 Kläranlagen reinigt der Wupperverband die Abwässer der Kommunen und er unterhält und entwickelt die Wupper und ihre Nebengewässer mit einer Gesamtlänge von rund 2.000 Kilometern.

Informationen zur Geschichte u.a. der Talsperren sind in der Chronik auf der Internetseite zusammengestellt: Chronik | Wupperverband

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