Rubrik Müll / Entsorgung / Recycling

AZuR veröffentlicht aktualisiertes Greenpaper

Kein Clean Industrial Deal ohne Reifen-Kreislaufwirtschaft:

23.03.2026 – Lesezeit ca. 5 Minuten 144

Kein Clean Industrial Deal ohne Reifen-Kreislaufwirtschaft:

Die AZuR Reifen-Kreislaufwirtschaft ist ein funktionierendes Erfolgsmodell zirkulären Wirtschaftens. Reifen werden durch Runderneuerung, Reparatur und Nachprofilierung so lange wie möglich auf der Straße gehalten und anschließend der klimagerechten mechanischen oder chemischen Verwertung zugeführt. In Deutschland werden auf diese Weise bereits rund 60 Prozent der Reifen im Kreislauf gehalten. (Bild: AZuR)

Die Allianz Zukunft Reifen (AZuR) hat eine aktualisierte Fassung ihres Greenpapers zum Status der Reifen-Kreislaufwirtschaft in Europa veröffentlicht. 32 Seiten stellen die ökologischen und ökonomischen Potenziale von Runderneuerung, Reparatur, Nachprofilierung, mechanischer und chemischer Reifenverwertung dar. Das Greenpaper verdeutlicht die Beiträge zu Klimaschutz, Ressourcenschonung und industrieller Wettbewerbsfähigkeit der von AZuR konsequent umgesetzten Circular Economy. Dabei werden auch konkrete Forderungen an die Politik erhoben: Um die vorhandenen Potenziale zu nutzen, sind Anpassungen der gesetzlichen Rahmenbedingungen dringend erforderlich. Auch der Europäische Rechnungshof mahnt, „die Recyclingmärkte zu stärken, da Kreislaufwirtschaft funktionierende Märkte, konsequente Umsetzung und verlässliche Finanzierung in der EU benötigt.“

Christina Guth, Koordinatorin des AZuR-Netzwerks, ist die Reifen-Kreislaufwirtschaft „ein funktionierendes Beispiel für nachhaltiges Wirtschaften in Europa. Sie verbindet Klimaschutz, Ressourcenschonung und wirtschaftliche Wertschöpfung. Damit diese Potenziale im Sinne des Clean Industrial Deal vollständig genutzt werden können, braucht es jedoch klare politische Rahmenbedingungen und eine stärkere Förderung zirkulärer Lösungen.

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Kreislaufwirtschaft als Schlüssel für Klimaschutz und industrielle Zukunft

Die europäische Wirtschaft steht vor einer mehrfachen Herausforderung: Sie muss gleichzeitig klimaneutraler werden, die Wettbewerbsfähigkeit erhöhen und ihre Rohstoffversorgung sichern. Der Übergang von einer linearen Wirtschaftsweise – produzieren, nutzen, entsorgen – zu einer funktionierenden Kreislaufwirtschaft spielt dabei eine zentrale Rolle. Ohne einen deutlich effizienteren Umgang mit Ressourcen lassen sich weder die Klimaziele noch die langfristige Wettbewerbsfähigkeit Europas sichern.

Der von der Europäischen Kommission angestoßene Clean Industrial Deal setzt wichtige Impulse für eine nachhaltige Industriepolitik. Das neue AZuR-Greenpaper macht jedoch klar, dass die Kreislaufwirtschaft stärker in den Mittelpunkt politischer Maßnahmen rücken muss. Denn nur wenn Produkte von Anfang an für Wiederverwendung, Reparatur, Runderneuerung und Recycling konzipiert werden, können Ressourcen dauerhaft im Kreislauf gehalten werden.

Gerade im Mobilitätssektor wird diese Transformation zunehmend relevant. Mit steigenden Fahrzeugzahlen wächst auch der Bedarf an Reifen – und damit die Menge an Altreifen. Eine nachhaltige Reifen-Kreislaufwirtschaft bietet hier die Chance, ökologische Herausforderungen mit wirtschaftlichen Chancen zu verbinden.

AZuR Reifen-Kreislaufwirtschaft als funktionierendes Erfolgsmodell

Die von AZuR mit über 80 europäischen Partnern aus Industrie, KMU, Handel und Wissenschaft realisierte Reifen-Kreislaufwirtschaft gilt als Vorbild für erfolgreiches zirkuläres Wirtschaften. In Deutschland werden über 60 Prozent der jährlich anfallenden 533.000 Tonnen Altreifen und ihre wertvollen Rohstoffe im Kreislauf gehalten. Von zertifizierten Entsorgern gesammelte Reifen werden nach Prüfung der optimalen Wiederverwendung/Weiterverwertung zugeführt.

Ein zentraler Baustein der Reifen-Kreislaufwirtschaft ist die Verlängerung der Nutzungsdauer von Reifen durch Reparatur, Nachprofilierung und Runderneuerung. Bei Nutzfahrzeugen ermöglicht die Runderneuerung die besonders ressourcenschonende Nutzung, da Nfz-Reifen bis zu dreimal runderneuert werden können. Die Runderneuerung spart – im Vergleich zur Herstellung von Neureifen – erhebliche Mengen an Energie, Rohstoffen und CO₂-Emissionen, und senkt zudem die Reifen-Betriebskosten um bis zu 30 Prozent.

Wertvolle Sekundärrohstoffe aus Altreifen

Reifen, die sich nicht mehr reparieren, nachprofilieren oder runderneuern lassen, werden der klimagerechten Verwertung zugeführt. In der mechanischen Reifenverwertung werden wertvolle Sekundärrohstoffe wie Stahldraht, Textilfasern und vor allem Gummigranulat erzeugt. Der Stahl eignet sich für die Wiedereinschmelzung, die Textilfasern haben sehr gute Dämmeigenschaften. Reifen-Gummigranulat wird für die Fertigung hochwertiger Recyclingprodukte für diverse Branchen und Anwendungsbereiche genutzt.

In der chemischen Verwertung gewinnen innovative Technologien wie Devulkanisation oder die Altreifen-Pyrolyse zunehmend an Bedeutung. In modernen, hocheffizienten Anlagen wird das Altreifen-Gummi bei 500 bis 700 °C ohne Sauerstoff thermochemisch zerlegt. Dabei entstehen Gas, Pyrolyseöl und ein fester Kohlenstoffrückstand, der zu recovered Carbon Black (kurz: rCB) aufbereitet wird – ein wertvoller Rohstoff für Reifen- und Chemieindustrie.

Politischer Handlungsbedarf für Deutschland und Europa

Trotz effizienter Technologie, erfolgreicher Praxisanwendung und steigender Beachtung sieht AZuR weiterhin erheblichen politischen Handlungsbedarf. Das Greenpaper formuliert daher konkrete Forderungen an Politik und Verwaltung in Bund, Ländern und Europäischer Union.

Dazu gehören unter anderem die stärkere Förderung von Reparatur und Runderneuerung, verbindliche Qualitäts- und Nachhaltigkeitsstandards sowie die gezielte Berücksichtigung runderneuerter Reifen in der öffentlichen Beschaffung. Ebenso wichtig ist die Entwicklung eines europäischen Marktes für hochwertige Sekundärrohstoffe aus Recyclingprozessen.

Darüber hinaus fordert AZuR klare gesetzliche Rahmenbedingungen für innovative Recycling-technologien und eine stärkere Anerkennung von Recyclingmaterialien als gleichwertige Roh-stoffe. Nur so können Investitionen in nachhaltige Technologien langfristig abgesichert werden.

Aktuelle Entwicklungen auf europäischer Ebene zeigen, dass die Kreislaufwirtschaft zunehmend als strategischer Bestandteil einer resilienten Industriepolitik verstanden wird. Branchenverbände der Entsorgungs- und Recyclingwirtschaft betonen in diesem Zusammenhang, dass hochwertige Recyclingstrukturen nicht nur zum Klimaschutz beitragen, sondern auch eine wichtige Rolle für die Sicherung von Rohstoffen und industrielle Wertschöpfung in Europa spielen.

Auch der Europäische Rechnungshof mahnt, die politischen Rahmenbedingungen für funktionierende Recyclingmärkte zu stärken: Eine erfolgreiche Kreislaufwirtschaft benötige leistungsfähige Märkte für Sekundärrohstoffe, eine konsequente Umsetzung der bestehenden EU-Regelwerke sowie eine verlässliche Finanzierung entsprechender Maßnahmen.

Kreislaufwirtschaft als Chance für Klima, Wirtschaft und Gesellschaft

Das aktualisierte AZuR-Greenpaper macht deutlich: Eine konsequent umgesetzte Reifen-Kreislaufwirtschaft bietet vielfältige Vorteile. Sie reduziert Abfälle und CO₂-Emissionen, schont natürliche Ressourcen und stärkt gleichzeitig regionale Wertschöpfungsketten sowie mittelständische Unternehmen.

Damit kann sie einen wichtigen Beitrag zur Transformation der europäischen Industrie leisten. Voraussetzung ist jedoch, dass Politik, Wirtschaft und Gesellschaft gemeinsam die notwendigen Rahmenbedingungen schaffen und die vorhandenen Potenziale konsequent nutzen.

Für Guth ist eins klar: „Ohne konsequentes zirkuläres Wirtschaften (nicht nur im Reifensektor) wird der Clean Industrial Deal seine Ziele nicht erreichen können.“

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